Bundesweiter Bildungsstreik an den Universitäten

In ganz Deutschland werden momentan die Audimaxe (größten Hörsäle) der Universitäten von Studierenden besetzt. Dies geschieht im Zuge der Weiterführung des Bildungsstreiks im vergangenen Sommer. Eine der ersten besetzten Universitäten war die Uni Potsdam, dort hat ein Teil der Studierendenschaft im Anschluss an die studentische Vollversammlung am 5.11. das Audimax besetzt. Andere Unis, wie die Albert-Ludwig Universität in Freiburg und die Universität zu Köln, haben erst diese Woche nachgezogen. Mehrere hundert Studierende “leben” seitdem in den Audimaxen, mit Isomatte und Schlafsack und gut organisierten Kochteams und natürlich Arbeitsgruppen, um ihrem Protest und Forderungen für bessere Studienbedingungen Ausdruck zu verleihen.

Studierende fordern bessere Studienbedingungen

Studierende fordern bessere Studienbedingungen

Die Studierenden sind fest entschlossen, erst wieder in ihren eigenen Wohnungen zu übernachten, wenn eine gemeinsame Postion zwischen Universität und Studierendenschaft gegenüber der Landespolitik vertreten wird. Konkrete Forderungen sollen sein:

- gesetzliche Verankerung von studentischer Mitbeschtimmung im Beirat des MWFK (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur)

- die vollständige Ausfinanzierung der Hochschulen

- die Abschaffung von Studiengebühren jeglicher Art und Kompensation dieser Gebühren durch öffentliche Mittel

Des weiteren fordern die Besetzer im Namen der gesamten Studierendenschaft die Masterplatzkapazitäten an die Zahl der Bachlor-Absolventen anzupassen, eine neue realistische Workload-Berechnung und daraus folgend den Beschluss realistischer Studienverlaufspläne und den Erhalt von bedrohten Studiengängen. usw. …

Etwas absurd mag klingen, dass die Besetzer Veranstaltungen blockieren und gleichzeitig bessere Bildung fordern. Aber natürlich wollen sie niemandem die Bildungschance verwehren. Dieser Ausfall einiger Lehrveranstaltung ist mehr oder weniger das “notwendige Übel”, um Zeit und Raum für Diskussionen zu schaffen. Für die Durchsetzungen der Forderungen nutzen die Studierenden alle Formen öffentlichen und friedlichen Protests. In verschiedenen selbst organisierten Workshops, Musikbeiträgen, Filmvorführungen oder Poetry-Slams wird Raum für Bildungsangebote geschaffen. Das alternative Vorlesungsverzeichnis ist im Internet zu finden und bei den Veranstaltungen ist jeder gern gesehen und willkommen sich selbst einzubringen.

Demo im Zuge des Bildungsstreiks

Demo im Zuge des Bildungsstreiks

Ein Höhepunkt des Bildungsstreiks waren die Demonstrationen am 17.11.: In fast allen deutschen Universitätsstädten versammelten sich die Studierenden und zogen für ihre Rechte quer durch die Städte. Sogar im kleinen Wiesbaden kamen mehrere 1000 Demonstranten zusammen. In Potsdam waren es trotz miesem Novemberwetter rund 600, zwischenzeitlich sogar 1000 versammelte Studierende.

Die Besetzer sind in ständigen Gesprächen mit der Universitätsleitung und den Ministerien. Die Verantwortlichkeit ist in bestimmten Bereichen ungeklärt – so schiebt z.B. Frau Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung) die Ausbesserungen des Bologna Prozesses den Ländern zu, die wiederum sagen, darum könnten die Universtäten sich doch selbst kümmern…

Es ist ein zäher Prozess und man braucht viel Geduld, aber es besteht Hoffnung, dass es mit dem deutschen Bildungssystem bald bergauf geht!

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