Die Guerrilla Gärtner – ein botanisches Manifest
Was assoziiert man als erstes mit Guerrilla? – Wahrscheinlich irgendeine Terrorgruppe, die unheilbringenden Aktivitäten nachgeht. Tatsächlich kommt dieses spanische Wort daher, dass vor Ewigkeiten spanische Farmer, die ihr eigenes Land verteidigen mussten, ihre Widerstandsbewegung “Guerrilla” nannten.
Die Guerrilla Gärtner leisten auch eine Art Widerstand, aber ihre kriminellen Tätigkeiten sind relativ harmlos. Es handelt sich um eine Bewegung, die Richard Reynolds in London ins Leben rief. Er versammelte Leute um sich, denen es – genau wie ihm selbst – Freude bereitet, Unfug anzustellen. Diese “lokalen Terroristen” haben mittlerweile mit Hilfe des Internets ein weltweites Netzwerk von ca. 2500 Mitgliedern zusammengestellt und ziehen zu ihren geheimen Missionen stets des Nachts aus.
Das heimliche Unternehmen ist ganz einfach: Stadtverschönerung! Die Bürger werden selbst aktiv, um ihre Wohnumgebung so zu gestalten, wie es ihnen gefällt, anstatt sich an höherer Stelle zu beschweren. Biem spazieren durch die eigene Nachbarschaft, fällt einem doch oft auf, was hübscher sein könnte – ungenutzte Stückchen Erde, Unkraut überwuchter oder zugemüllt… Das geht auch anders! So begehen die Guerrilla Gärtner all nächtlich das Verbrechen, öffentliches Land zu bepflanzen. Sie gestalten das verlotterte Stückchen Land mit viel Kreativität attraktiv, sodass sie selbst, als auch jeder andere Vorbeikommende sich daran erfreuen kann! Mit Grundgedanke ist auch die Idee, dass ein jeder auf sein Heimatviertel stolz sein sollte – eine schöne, gepflegte Umgebung wird automatisch besser behandelt, Müll weniger leichtfertig einfach auf den Boden geschmissen.

Nachdem ein vernachlässigtes Blumenbeet oder verwaistes Stück öffentliches Land entdeckt wurde, muss die Tat gut geplant werden. Ein Termin für den Anschlag muss festgelegt werden, am besten ist ein Zeitpunkt, wenn unruhige, geschäftige Menschenmassen aus dem Weg sind. Für die schnelle Abwicklung werden helfende Hände gebraucht. Das wichtigste sind aber die Pflanzen! Beachtet sei, dass es robuste Pflanzen sind, die nicht zu viel Pflege brauchen und den lokalen Bedingungen standhalten. Immer gut zu gebrauchen sind Plastiktüten, schließlich muss Müll und Unkraut abtransportiert werden. Für die Nachhaltigkeit sollte ein Aktivist in der Nähe des Anschlagortes wohnen.
Auch wenn es sich um eine win-win Situation handelt, kann die Polizei ein solch kriminelles Verhalten nicht akzeptieren. Eine solche soziale Aktivität, die unterschiedlichste Menschen zusammenbringt, ist nicht gestattet – obwohl es sicherlich weniger Probleme macht, als das altbewährte Alternativprogramm des gemeinsamen Betrinkens in einer Bar…
QUELLEN:
Guerilla Gardening, ZDF Bericht
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