Die Sprachen Guatemalas

Die offizielle Landessprache Guatemalas  ist Spanisch, oder genauer gesagt: Castellano. Das ist jene Sprache, die ursprünglich nur in Kastilien gesprochen wurde. Castellano ist das, was in allen Lateinamerikanischen Ländern gesprochen wird, in denen Spanisch die offizielle Landessprache ist. Aber in jedem dieser Länder hat die Sprache spezifische Ausprägungen erhalten, die in erster Linie den Wortschatz und betimmte Redewendungen betreffen.

Chapín, wie die Guatemalteken ihre Sprache nennen, entstand durch die relative Abgeschlossenheit Guatemalas gegenüber Spaniens seit der Eroberung im 16. Jahrhundert und dem starken Einfluss der indianischen Bezeichnungen aus dem Lebensumfeld der indígenas, der indigenen Landbevölkerung. Ab dem 19. Jahrhundert nahm außerdem der Einfluss von Amerikanismen zu. Verschiedene Worte wurden übernommen und “castellanisiert”.

Neben diesen Veränderungen, gibt es im castellano außerdem eine weitere Form, jemand anderen anzusprechen. Neben Sie (usted) und du (tú), wäre da außerdem “vos”.  Eigentlich ist es relativ enfach zu verstehen: usted ist die distanziertes und respektvollste Form und vos die vertrauteste. Dennoch verwundert es zu weilen, denn in manchen Familien benutzt man untereinander vos, in andern tu und in wieder anderen usted und das muss ganz und gar keine Aussage über die Vertrautheit unter den einzelnen Familienmitgliedern sein. Am aller seltsamsten klingt es in meinen europäischen Ohren allerdings, wenn ein Guatemalteke seinen Hund mit usted anredet.

Tatsächlich ist Castellano allerdings nur für knapp die Hälfte der Guatemalteken Muttersprache. Denn die andere Hälfte ist indigener Herkunft und spricht von Haus aus die eigene Sprache der Region. Es gibt ca. 23 verschiedene indígena-Sprachen, die alle ihre eigene Grammatik verfügen und deren Worte nicht unbedingt viel Ähnlichkeit miteinander haben. Es sind für Europäische Ohren völlig fremdartige Sprachen mit diversen Knack- und Klacklauten, die schwer zu immitieren sind. Die meist gesprochenen indígena-Sprachen sind Quiché, Mam, Cakchiquel und Kekchí.  Geht man auf die Märkte in den verschiedenen Städten Guatemalas, passiert es nicht selten, dass die Markfrauen auf die spanische Frage nach dem Preis in ihrer eigenen Sprache antworten. Gerade die älteren Generationen der indigenen Bevölkerung versteht und spricht sehr wenig Spanisch.

Leider verlieren die indigenen Sprachen dennoch immer mehr an Bedeutung. Was an den sich rasch verändernden Gesellschaftlichen Gegebenheiten liegt, aber noch heftiger an der Diskriminierung der Menschen mit indianischer Herkunft. Viele indígenas legen im Zuge der Anpassung an die Lebensweise der Ladinos – der Menschen mit europäischer Herkunft – nicht nur ihre Trachten und Traditionen ab, sondern auch ihre ureigene Sprache. Man kann nur hoffen, dass diese wunderschöne, bunte Kultur nicht ganz verschwindet.

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