Ein weites Feld: Englische Literatur

Was ist Englische Literatur?

Englische Literatur umfasst unglaublich viele Werke, denn es handelt sich dabei nicht nur um Literatur aus England. Es handelt sich auch nicht ausschließlich um Literatur aus Großbritannien und Irland, sondern um alle Werke, die auf Englisch verfasst wurden. Zu großen Teilen stammen diese aus den ehemaligen englischen Kolonien (z.B. Karibik, Kanada, Australien), was in unseren Breiten und bei unserem eurozentristischen Denken leicht einmal in Vergessenheit gerät.

Englisch ist eine unglaublich wichtige Sprache – aus mehreren Gründen: In 75 Ländern der Welt wird Englisch gesprochen, ¼ der Weltbevölkerung spricht/liest Englisch, es ist eine transnationale Weltsprache (die Sprache des www, der Computer und Film Industrie, etc.) und außerdem fungiert Englisch als lingua franca. Das die englische Sprache heutzutage so einflussreich und wichtig ist, hängt mit der historischen Extension des britischen Imperiums zusammen, deutlicher gesagt mit der Kolonialisierung. Zudem war Britannien eine große Handelsmacht und betrieb Sklavenhandel, so verbreitete sich Englisch in viele Winkel dieser Welt, wo nun die wundervollste, unterschiedlichste Literatur entsteht.

the noble savage

the noble savage

Gerade in der Literatur ist Englisch eine dominante Sprache und zwar weil es eine transnationale und transkulturelle Sprache ist. Schreibt Mensch in Englisch, kann er/sie sich sicher sein, eine sehr viel größere Leserschaft zu erreichen als in den meisten anderen Sprachen. Von Britischer Seite wird natürlich auf Englisch geschrieben, wobei sich viel Literatur finden lässt, die das koloniale Selbstbewusstsein deutlich wieder spiegelt. So werden den Lesern Stereotypen von Menschen aus der „Neuen Welt“ vorgesetzt, z.B. the noble savage (der noble Wilde), the monster savage (das wilde Monster), das unschuldige Kind, etc. Von Seiten der (ehemals?) Kolonisierten bedeutet das Schreiben auf Englisch eine Anti-Koloniale-Resistenz. Literatur dient in diesem Fall als Werkzeug, um für die Unabhängigkeit zu „kämpfen“.

Da Englisch in so vielen unterschiedlichen Ländern dieser Welt gesprochen wird, ist die englische Literatur folglich unheimlich divers. Zum Beispiel spielt in karibischer Literatur ganz besonders der Klang der Sprache eine Rolle. Linton Kwesi Johnson (LKJ), 1952 in Jamaika geboren, ist ein berühmter „Dub Poet“, Musiker und politischer Aktivist. LKJ sagt: „Schreiben ist ein politischer Akt und Poesie eine kulturelle Waffe“. In seinen Texten hat die „typisch jamaikanische Aussprache“ eine besonders exponierte Rolle. Viele seiner Gedichte gibt es auch als Song Version, mit Dub Reggae unterlegt.

Linton Kwesi Johnson \”Inglan is a Bitch\” Dub Version

Linton Kwesi Johnson

Linton Kwesi Johnson

Die kanadisch-englische Literatur setzt sich laut Margaret Atwood deutlich von anderer Literatur ab. Sie ist nicht etwa so musikalisch, wie karibische Literatur oder Poesie, sondern charakterisiert durch die überall auftauchenden „Opfer“. In Kanada spielte das einfache Überleben in der ungastlichen Natur die Hauptrolle, zudem litten Kanadier immer unter Unterdrückung von irgendeiner Seite, sodass als Folge davon in allen literarischen Werken Opfer Charaktere auftauchen. Atwoods Theorie ist mit Vorsicht zu genießen, aber dennoch, deutlich wird, das englische Literatur ein weites Feld und sicher nicht mit ein-zwei Worten abgehandelt ist.

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