Feministische Bewegungen, internationale Blickrichtung
Die so genannte 2. Frauenbewegung in Westeuropa und in Nordamerika brachte in den 70er Jahren viele bis dahin tabuisierte Themen zur öffentlichen Diskussion. Eben diese Internationalität der Frauenbewegung war ein bewegungsmobilisierender Faktor. Die gleichen Interessen, die verschiedene Frauen über die Grenzen der Nationalstaaten hinaus teilten, verband sie. Die zentralen Themen, Ideen, Ziele, Strategien & Theorien der bundesrepublikanischen Frauenbewegung wurden alle auf internationaler Ebene verhandelt, d.h. In allen westeuropäischen und nordamerikanischen 2. Frauenbewegungen fanden sich ähnliche Kampagnen.

In den 70er Jahren wurde viel debattiert über das Verhältnis der Geschlechter, über Bedingungen und Möglichkeiten der Gleichberechtigung. Das Leben der Frauen beschränkte sich bis dahin hauptsächlich auf den privaten Bereich, doch nun traten sie bewusst in die Öffentlichkeit und forderten Anerkennung und Mitspracherecht. Frauen wollten nicht von der Politik ausgeschlossen werden und schon gar nicht auf Grund der Mutterschaft reduziert werden. Weitere wichtige Themen waren Abtreibung, sexualisierte und strukturelle Gewalt gegen Frauen, sowie geschlechterhierarchische Arbeitsteilung. Frauen verlangten in allen Bereichen arbeiten zu können und nicht nur im reproduktiven Sektor.
Verschiedene Texte von Frauen aus der „ganzen“ Welt beeinflussen die Bewegung: Kate Millett aus den USA schrieb „Sexus und Herrschaft“, die Französin Simone de Beauvoir verfasste „Das andere Geschlecht“, die US-Amerikanerin Judith Butler trug „Gender Trouble“ über die Dekonstruktion sozial konstruierter Zweigeschlechtlichkeit bei.
Es fällt auf, dass sich die 2. Frauenbewegung nur auf Nordamerika und Westeuropa zu beschränken scheint. Weshalb der Vorwurf entstand, es sei ein hegemonialer, weißer Mittelklasse-Feminismus. Die Ignoranz gegenüber Frauen und Frauenbewgungen aus Asien, Lateinamerika und afrikanischen Ländern wurde spätestens auf dem NGO-Forum der 2. UN Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen 1980 deutlich: „Afrikanerinnen beklagten sich, dass sich die westlichen Feministinnen nur noch für ihre Genitalien interessierten, nicht aber dafür, ob Hungersnot herrsche, [...]“.
Zwischen den westlichen Frauenbewegungen herrschte Solidarität und eine kollektive Identität. US-Amerikanerinnen und Westeuropäerinnen kämpften für gleiche Löhne, Frauenhäuser, Abtreibung, usw. und Frauen aus Großbritannien sogar auch für Lohn für Hausarbeit.
Diese kollektive Geschlechtsidentität übertrugen sie kurzschlüssig auf Frauen des Südens. Sie unterstellten ein weltweit strukturgleiches Patriarchat und gingen davon aus das Frauen auf der ganzen Welt die gleichen Erfahrungen unter männlicher Macht- und Gewaltausübung gemacht hätten. Für Frauenbewegungen in Postkolonialen Staaten war allerdings soziale Ungleichheit bestimmender als eine kollektive Geschlechtsidentität.
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Kategorien: Opéra Comique
Tags: Feminismus, frauen

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