Film: Sin Nombre – hoffnungslose Realität in Zentralamerika
Sin Nombre ist ein packendes Gangdrama, das unter die Haut geht. Es ist ein kompromissloser Film über die brutale, hoffnungslose Realität in Zentralamerika wie man sie selten zu sehen bekommt. Es scheint nur zwei mögliche Auswege aus der Hoffnungslosigkeit zu geben: Die Gemeinschaft der Mara, der Gang, die als Ersatzfamilie dient, oder die Flucht in die USA.

Casper (Edgar Flores) ist ein Mitglied der Mara Salvatrucha, oder MS13. Diese gewalttätige, kriminelle Jugendbande ist für ihn seine Familie, sein Leben. Doch trotz der familiären Gemeinschaft in der Mara, trotz des Zusammenhalts, muss man als Mitglied oft seine eigenen Interessen zurückstellen. Es gilt das “Barrio” (das eigene Viertel) gegen andere Gangs zu verteitigen, sich Autorität zu verschaffen, durch Raubüberfälle Geld zu besorgen. Deutlich erkennbar sind krasse hierarchische Strukturen und der ständige Druck sich beweisen zu müssen, um im Ansehen aufzusteigen. Genau das wird Casper zum Verhängnis.
Sayra (Paulina Gaitan) ist ein junges Mädchen aus Tegucigalpa, Honduras. Sie wohnt bei ihrer Großmutter und kennt nur Armut, Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung. An ihren Vater Horacio kann sie sich kaum noch erinnern. Der ist in die USA gegangen, hat eine andere Familie, andere Kinder. Doch plötzlich kommt er wieder und will sie mitnehmen in das Land der unendlichen Möglichkeiten und der Verheißung auf ein besseres Leben. Zu Fuß und auf den Dächern von Zügen machen sie sich auf die beschwerliche, gefährliche Reise von Honduras durch Guatemala und Mexiko bis in die USA.
Caspers Aufgabe ist es eigentlich Botendienste zu erlediegen oder neue Jungs in die MS13 zu holen, so wie den zwölfjährigen Smiley. Doch dann verliebt er sich in ein Mädchen aus der Innenstadt und vernachlässigt seine Pflichten. Die Folgen sind fatal. Seine große Liebe wird umgebracht, er selbst hart bestraft und als er auf einem Zug Flüchtlinge mit seinem “Vorgesetzten” von der Mara Salvatrucha aneinandergerät, ist alles vorbei.
Sayra und Casper sind sich auf dem Zug begegnet. Casper hat ihr das Leben gerettet. Sie vertraut ihm. Gemeinsam setzten sie ihren Weg in Richtung USA fort. Doch Casper wird von der Gang gesucht. Verrat lässt die Mara Salvatrucha nicht zu. Einmal Marero, immer Marero. Durch die Tätuwierungen ist ein Mitglied ein Leben lang gebrandmarkt. Sayra und Casper befinden sich auf einer abenteuerlichen Flucht. Ihre letzte Etappe ist ein großer Fluss. Fast haben sie es geschafft, das andere Ufer ist so nah – und doch so fern…
Es ist manchmal hart, hin zu sehen, aber zugleich schön, wie Regisseur Fukunaga die Spannung mit energiegeladenen Bildern statt mit hektischen Schnitten aufbaut. Neben der geballten brutalen Realität, lässt Fukunaga dem Zuschauer kleine Verschnaufpausen. Noch schöner aber ist, dass ihm seine realistisch verankerte Geschichte wichtiger ist als die Genreregeln.
Sin Nombre – aktuell in den deutschen Kinos!
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Kategorien: Kunst & Kultur
Tags: Film, guatemala, Lateinamerika, Maras, probleme, Zentralamerika

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