La vida Loca – und dafür sterben – ein Film von Christian Poveda
„La vida loca“ ist spanisch und bedeutet so viel wie das verrückte Leben. Es ist das Motto der zentralamerikanischen Jugendgangs. Wie genau dieses verrückte Leben aussieht, hat Christian Poveda, ein spanisch-französischer Fotojournalist und Dokumentarfilmer, herausgefunden und dafür mit seinem Leben gezahlt.

Christian Poveda wurde am 2. September 2009 am Rande von San Salvador umgebracht. Er musste für seine außergewöhnliche Recherche ohne Erlaubnis, ohne Vorurteile und Vertuschungsversuche, mitten im Herzen einer der gefährlichsten Jugendgangs Lateinamerikas, der „Mara 18“ sterben.
Doch die Arbeit vor seinem Tod ist zu einem unglaublichen Dokumentarfilm geworden: „La vida Loca – die Todesgang“ (aktuell in mehreren Kinos in Deutschland zu sehen). Poveda hatte sich bei der Mara 18 eingeschlichen und über ein Jahr lang Informationen über sie gesammelt, indem er sie im Alltag begleitete.
In Zentralamerika spricht man von „Maras“, Gruppen von Jugendlichen. Tatsächlich haben diese Gangs ihren Ursprung in Los Angeles (USA), gegründet von lateinamerikanischen Immigranten. Der anglophone Einfluss lässt sich bis heute in den Namen vieler Bandenmitglieder erkennen: Little One, Big One, Skinny One, Erick Boy etc. Heute sähen sie Terror und Angst vor allem in El Salvador, Guatemala und Honduras. Diese Jugendlichen – in Povedas Film zu sehen – werden einerseits gefürchtet und gehasst, aber andererseits zeigen sie auf seltsam fesselnde Art und Weise, die Desintegration der Familienstruktur in der salvadorianischen Gesellschaft und die Ausweglosigkeit, die dieses Phänomen bereits erreicht hat.
Man kann sich leicht vorstellen, dass Poveda während seines gesamten Recherchierens bei der Mara 18 bereits in Lebensgefahr schwebte. Von Februar 2006 bis Mai 2007 begleitete Poveda das Leben einiger pandilleros und pandilleras (Gängmitglieder) der Mara 18 in Las Campaneras mit ständig laufender Kamera. Sich der Mara auszusetzen, bedeutet sich der puren Gewalt zu überlassen. Die Jugendlichen, tätowiert von Kopf bis Fuß, widmen sich hauptsächlich der Erpressung, dem Raub und dem Drogenhandel.

Mit dem Dokumentarfilm „La vida loca“ schaffte Poveda einen Spiegel des tatsächliche Lebens in El Salvador. Er erfasste den Alltag der Mareros und fing ihre eigene Sprache und einige ihrer internen Kodexe ein. Man sieht diese Jugendlichen, wie sie leiden, dennoch dem Leben trotzen, „uns“ meiden und wütend sind angesichts ihrer eigenen Situation. All dies entfacht tiefe Ängste und Albträume in den Straßen El Salvadors. Die Mareros kollidieren ständig mit „unserer“ Vision der Welt. Es handelt sich nicht einfach um einen Generationskonflikt, sondern um eine anthropologische Konfrontation.
Eingesperrt und Missverstanden, wie sie sich fühlen, ist die Antwort der jungen Mara Mitglieder, dieser verlorenen Generation, Verneinung. Sie kennen nur Revolte und Tod. Povedas Dokuemtarfilm gewährt einen Einblick in den harten, hierarchischen, kriminellen und sexistischen Alltag der Mara 18. Poveda hält kommentarlos seine Kamera hin. Es gab kein Drehbuch. Alles ist echt, die Tattoos, die jungen Mütter, die Waffen, die Drogen und die vielen Toten (während der Dreharbeiten werden 7 der pandilleros/-as der Mara 18 aus Las Campaneras getötet).
Der Film zeigt die Hoffnungslosigkeit, die viele Menschen angesichts ihrer aussichtslosen Situation befällt. Der vermeintliche Ausweg in die Gemeinschaft der Mara, die als Ersatzfamilie dient, ist niemals wieder rückgängig zu machen. Schon durch die Tätowierungen ist man sein Leben lang gebrandmarkt. Von der Regierung gibt es als Reaktion „Reinigungsprogramme“, die die Polizei beauftragen, Mareros einzusperren, aber keine wirkliche Lösung. Die tatsächlichen Probleme: Armut, wenig Bildung, Drogenhandel, etc., werden auf keine sinnvolle Weise behandelt. Die Jugendlichen sehen die Mara als einzigen Weg zu einem besseren Leben.
Der Film – so wie auch das Leben von Poveda – endet dramatisch. Es gibt keine Lösung, da beide Seiten, Regierung und Mara, blind zu sein scheinen.
“La vida Loca – die Todesgang” – absolut sehenswert!
Kinotermine: ab 21.1.2010: Central Kino, Berlin; Eiszeit, Berlin; Filmpalette, Köln; Monopol, München; 21.1.-10.2.2010: 3001 Kino, Hamburg; 4.2.2010: Cinematheque, Leipzig; 6.2.2010: Endstadion, Bochum (im Rahmen von STRANGER THAN FICTION); 10.2.2010: Cinema, Münster (im Rahmen von STRANGER THAN FICTION); 11.2.-17.2.2010: Ufer, Chemnitz.
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Kategorien: Opéra Comique

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