Margaret Atwood – eine großartige, kanadische Feministin?!
Welche Relevanz hat Margaret Atwood? Lohnt es sich über sie zu sprechen? – Ganz bestimmt! Ich habe mich immer schon gewundert, woran Menschen denken, wenn sie an “Kanada” denken. Vermutlich sind ihre ersten Assoziationen “unberührte Natur”, “Kanu fahren auf den vielen Seen”, “reißende Ströme aus denen hin und wieder Bären Lachs fischen” oder so ähnlich… Die wenigsten werden Literatur mit Kanada verbinden. Schade. Denn es gibt großartige kanadische Autoren. Da wären Margaret Laurence, Leonard Cohen oder eben Margeret Atwood, die mir besonders bedeutend erschein, da sie international höchst prominent ist und zudem stark politische und feministische Ideen hinterfragt.

Lake Louise in den Rocky Mountains
Margaret Atwood ist am 18. November 1939 in Kanadas schöner Hauptstadt Ottawa geboren. Sie wuchs im Norden Ontarios, Quebec und Montreal auf. In ihrer Kindheit verbrachte die kleine Margret Atwood viel Zeit in der kanadischen Wildnis, wo ihr Vater an Insekten forschte. Dort verbrachte sie viel Zeit mit Lesen, um sich selbst zu unterhalten und der Einsamkeit zu entfliehen. Bereits mit sechs Jahren begann sie selbst zu schreiben.
1957 begann Margaret Atwood am Victoria College der Universität von Toronto zu studieren. Eben dort machte sie 1961 ihren Bachlor of Arts mit Englisch als Hauptfach und Philosophie und Französisch als Nebenfächern. Im selben Jahr fing sie in Harvards Radcliffe College an und graduierte nur ein Jahr später. Mit dem Master in der Tasche, unterrichtete sie in den folgenden Jahren an diversen Universitäten in Kanada und den USA, u.a. an der Universität von British Columbia (1965), der Universität von Alberta (1969-70) und der New York Universität (1973). Doch während ihrer lehrenden Tätigkeit schrieb sie auch immer fleißig Bücher.
Schon als sie ihren High School Abschluss machte, schrieb Margret Atwood in das Jahrbuch, dass es ihr erklärtes Ziel sei “den großen kanadischen Roman zu schreiben”. Dieses Vorhaben ist in vielfacher Weise wahr geworden. Mittlerweile hat die Schriftstellerin 35 Bücher geschrieben und 55 Preise dafür gewonnen. Sie ist nicht bei einem einzigen Genre geblieben. In ihrem Repertoire finden sich Romane, Kinderbücher, Poesie, etc. … Aber dafür ist ein durchgehender roter Faden zu finden. Alles, was Margaret Atwood geschrieben hat, spiegeln deutlich ihre persönliche Philosophie wieder. Ihre gesamte Prosa und Poesie beschäftigt sich mit Frauen.

In vielen ihrer Bücher gibt es eine Protagonistin, die “jede Frau” darstellt. In der Regel stellt Atwood diese Frau schickaniert und minimiert von Politik und Gender-Rolle dar. Dennoch ist sich die Autorin selbst nicht sicher, ob sie sich wohl als Feministin bezeichnen würde. Im September 2009 sagte sie folgendes in einem Interview mit dem Independent:
“Das Problem ist nicht, wer die Socken vom Boden aufhebt. Die Frage ist, wer ist das ‘wir’, von dem wir im Feminismus sprechen. Reden wir von Kindern, die in Sexhandel verwickelt sind, oder von Frauen in Bangladesh? Sprechen wir vielleicht von Osteurupäischen Frauen, denen ein besseres Leben im Westen versprochen wird, obwohl sie dort letztendlich als Prostituierte abenden? Feminismus ist ein großes Wort. Wenn man fragt, ’sind Frauen Menschen’, besteht kein Zweifel: Ja. Aber wohin kommen wir, wenn wir weiter denken? Sind Frauen besser als Männer? Nein. Sind Frauen anders als Männer? Ja. In wie fern? Das ist, was wir noch herausfinden müssen.”
Margaret Atwood macht sich viele Gedanken über Feminismus und ist selbst noch zu keinem Schluss gekommen. Genau das lesen wir nun in ihren Büchern.
Eines von Margaret Atwoods bekanntesten Werken ist die Dystopie “The Handmaid’s Tale”. Diese Geschichte erlaubt es dem Leser einen ausgedachten Ort in der Zukunft zu entdecken, in dem die Lebenskonditionen einfach furchtbar sind. “The Handmaid’s Tale” ist die Geschichte einer Frau, die Offred genannt wird. Was man liest, ist sozusagen ihr Tagebuch. Offred lebt in Gilead, einem Staat in den früheren USA gelegen. Es handelt sich um eine totalitäre Theokratie. Die Gesellschaft in Gilead ist absolut reguliert und von krassen hierarchischen Strukturen beherrscht. Offreds einzige Aufgabe dort ist es, sich fortzupflanzen. Handmaids dienen in dem Staat dazu elitären Ehepaaren Kinder zu gebären. Offred hat keine Freiheiten. So darf sie zum Beispiel nie das Haus verlassen, außer, wenn sie los geschickt wird, um Lebensmittel einzkaufen. Sie hat keine Privatsphäre. Ihr kleines Zimmer kann nicht zu gemacht werden.

Interessant ist, dass Offred sich an ihre Vergangenheit erinnert. Sie hat den Wandel von dem, was wir heute kennen, zu dem was Gilead ist mit erlebt. Damals hatte sie eine ganz normale Familie… Sie vermisst die Rechte, die sie damals hatte – was man einen stillen Feminismus nennen kann.
Die gesamte Geschichte basiert an unverkennbaren Trends in den USA der 80er Jahre, in denen die Religiöse Rechte wuchs und die Geburtenrate stark zurück ging.
Dieses Buch behandelt viele wichtige Themen sehr kritisch und unterstreicht die Relevanz Margaret Atwoods für unsere Zeit. Sie beleuchtet die Natur der Frau. In The Handmaid’s Tale wird deutlich gemacht, dass der Lebensinhalt der Frau ist, Mutter zu sein. Nur das, nichts anderes. Es ist nicht nur ihre Rolle, sondern ihre Natur. Frauen werden als Sünderinnen dargestellt, was zurückführt auf die Geschichte von Adam und Eva. In der patriarchalischen Gesellschaft von Gilead haben Männer einen deutlich höheren Status als Frauen. Männer befehlen. Margaret Atwood bahandelt in The Handmaid’s Tale außerdem Diskriminierung und Selektion. In Gilead werden die Menschen instrumentalisiert, eine kleine Elite herrscht über alle anderen. Menschen mit “Fehlern” werden einfach aussortiert.
Nachdem man sich mit Margaret Atwood und The Handmaid’s Tale befasst hat, wird man nicht umhin kommen sich einige Fragen zu stellen. Sind einige Strukturen, die Atwood in ihrer Dystopie beschreibt nicht (in einer abgeschwächten Form) aktuell ein Problem in unserer Gesellschaft? Was ist eine Feministin? Und welche Konflikte bringt “Feminismus” mit sich?
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Kategorien: Kunst & Kultur
Tags: Feminismus, frauen, freiheit, probleme

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