T. Modleski oder Feminismus in Seifenopern?!
„In der Tat, ich würde gerne behaupten, dass so genannte Seifenopern nicht völlig in Konflikt stehen mit bereits wachsender, aber dennoch embryonaler feministischer Ästhetik.“, so die Professorin Tania Modleski von der University of Southern California. Doch wie kommt sie darauf, dass zwei so völlig gegensätzliche Dinge kompatibel miteinander seien? Wo um alles in der Welt sieht Modleski Feminismus in Dallas, Gute Zeiten Schlechte Zeiten oder Verbotene Liebe?

deutsche Seifen Oper GZSZ
Seifenopern werden allgemein als sehr feminines Genre angesehen, mit vielen weiblichen Charakteristika. In ihrem Buch „Loving with Vengeance“, beginnt Modleski ihr Argument, dass Seifenopern und Feminismus keinesfalls gänzlich gegensätzlich seien, indem sie auf die „Grenzenlosigket“ der Seifenopern und ihren Gemeinschaftssinn fördernden Charakter hinweist. Frauen hätten bereits eine Weise zu leben gefunden, in der sie sich nicht ständig selbst in den Mittelpunkt stellen müssten. Dies ist vergleichbar mit dem nicht existierenden Protagonisten in Seifenopern (es gibt immer viele Hauptcharaktere) und der dadurch eröffneten Möglichkeit, dass ein Zuschauer sich mit mehreren Charakteren identifizieren kann. Modleski zitiert Mark Poster, „das Gefühl das Zentrum der Schöpfung zu sein, ist typisch für die Ego-Struktur eines gutbürgerlichen Mannes“. Seifenopern oder Frauenliteratur ist eine Weise, die Poster als „Prozess ohne Progression“ bezeichnet, ist also in einer Weise die weibliche Antwort auf lange Jahre Männer dominierter Film- und Literaturgeschichte. Frauen distanzieren sich selbst von diesen traditionellen, maskulinen Strukturen, folglich starten sie eine Emanzipation.
Modleski erkennt die sehr femininen Charakteristika von Seifenopern an, sie betont diese sogar, „Katastrophen in Seifenopern liefern Gelegenheiten für Leute zusammenzukommen, sich zu konfrontieren und starke Emotionen auszuleben und zu erforschen.“ Emotionen zu zeigen, Probleme und Konflikte immer wieder durch zu diskutieren und sie viel Zeit für ausführliche Gespräche zu nehmen – all das ist allgemein bekannt als typisch für Frauen. (Sehr stereotypisch.) Was ist also mit der zuvor erwähnten Emanzipation geschehen? Tatsächlich heißt Emanzipation der Frau nicht, dass sie werden muss wie ein Mann. Frauen müssen beginn der Welt das Gegenteil beizubringen, weil es ein Fakt ist, dass es zwei verschiedene Geschlechter gibt, sowohl biologisch, als auch sozial, die jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Dennoch verdienen beide ihren Respekt.
Es wird behauptet, Seifenopern würden kollektive Fantasien aller Frauen zeigen. Modleski kennt schon die typischen Reaktionen anderer Feministinnen, „zum Schrecken vieler feministischer Kritiker_innen, ist die stärkste Traumvorstellung, die in Seifenopern gezeigt wird, die einer selbstgenügsamen Familie“. Sehr fragwürdig. Ist Familie und Haushalt ein Lieblingsthema von Frauen, weil sie von klein auf dazu erzogen wurden, ihrem sozialen Geschlecht (weiblich) gerecht zu werden? Oder ist es das biologische Geschlecht, der natürlich Weg des Lebens, der Frauen dazu veranlasst sich mehr Gedanken um Familie und Haushalt zu machen, als Männer es in der Regel tun? (Ich übertreibe.) Und da Frauen gar nicht wie Männer sein sollten, nur um respektiert zu werden, sollten sie nicht einfach stolze, fürsorgliche und fabelhafte Mütter werden?
Seifenopern bieten eine Traum-Version von einer „erweiterten Familie, das direkte Gegenteil der isolierten Kleinfamilie einer Hausfrau“, für einsame Hausfrauen. Aber natürlich ist die Fernsehserie überhaupt kein Ausweg aus dieser Isolation einer Hausfrau. Es ist also deutlich zu sagen: Seifenopern sind aller höchstens ein klitzekleiner Schritt in Richtung Emanzipation, aber sie werden niemals für eine reale Veränderung dienen. Frauen – genau wie Männer – verdienen Respekt für alles, was sie tun, was sie mögen, einfach für das, was sie sind. Sie verdienen eine gleich respektvolle Behandlung, egal ob sie lieber einen Job haben wollen oder den Haushalt führen, genau wie Männer.
Mit Rücksicht auf feministische Ästhetik, Seifenopern können absolut pro-feministisch oder aber das genaue Gegenteil sein. Diese Serien könnten als Rahmen dienen, durch die weibliche Perspektiven kanalisiert werden könnten, aber andererseits werden vielleicht einfach Frauen dargestellt, so wie die Gesellschaft sie sehen möchte. Letztendlich liegt es in den Händen des Produzenten. Modleskis Aussage, dass Seifenopern nicht völlig in Konflikt mit Feminismus stehen, ist sehr clever formuliert, es lässt Raum für Verbesserung. Sie sieht ganz deutlich, „Als Feministinnen, haben wir die Verantwortung kreativere, ehrlichere und interessantere Wege der Emanzipation zu finden, als die, die die Massenkultur uns liefert.“
Buch: Tania Modleski, “the Search for Tomorrow in Today’s Soap Opera”, in Loving with Vengeance: Mass-Produced Fantasies of Women (Hamden, CT: Archon Books, 1982)
Verwandte Artikel
Kategorien: Gedankenwelt, Kunst & Kultur
Tags: Emanzipation, Feminismus, frauen, Respekt


Kommentare
No Comments
Eine Antwort hinterlassen