Velbert: eine Kleinstadt-Sensationsgeschichte

Velbert – seines Zeichens die Industriestadt im Grünen – ist selbstverständlich nur so unbekannt, weil das Ruhrgebiet anschließt, sowie Düsseldorf, Wuppertal und sogar das doch etwas ferner gelegene Köln alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das Prunkstück der “Schloss und Beschläge”-Stadt ist der Herminghauspark in Velbert Mitte, allseits liebevoll „Hermi“ genannt. 2004 begann eine umfassende Umgestaltung, sodass der Hermi nun, obwohl schon 90 Jährig, immer noch beliebter Treffpunkt ist. Neben einem großen Spielplatz und einem Rundweg mit Spielstationen „zum Entfalten der Sinne“, bieten große Rasenflächen den optimalen Platz zum in der Sonne liegen, Frisbeespielen oder Grillen.
Jugendliche machen sich diesen zentral gelegenen Freiraum seit Urzeiten zu nutze. So versammelte sich auch am vergangenen Samstag, dem 11. April eine große Gruppe auf einer Wiese mitten im Park. Ausgebreitet auf Wiesen genossen sie die warme Frühlingssonne. Doch so schön und harmonisch alles anfing, so fatal und unerfreulich nahm die Geschichte gegen 22 Uhr ein Ende:
„Da ist man mal einen Tag in Velbert und schon passieren die krassesten Dinge…
Ich, als nur Besucherin der Stadt, weiß nicht, was im Vorfeld im Hermi alles vorgefallen ist. Aber wenn ich den besagten Abend revue passieren lasse, kann ich mir immer noch nicht ganz erklären, wie es zu einer derartigen Eskalation kommen konnte.
Auf dem Spielplatz spielten Kinder, auf den Wiesen befanden sich diverse Menschengruppen, eine davon besonders groß und obwohl es erst Nachmittag war schon mit Alkohol. Da mag man schnell denken, wie „verkommen“ doch die Jugendlichen sind. „Schon mittags das erste Bier und nichts mehr in der Birne, die Jugend von heute“. Betrachtet man die Gruppe allerdings als diese, saß sie auf ihren Decken, quatschte und lachte, spielten hacky sack und grillte. Schon am frühen Abend kam ein skeptischer Security und ein Polizist. Die Unterhaltung war höflich und man war sich darüber einig, dass um 22 Uhr die Zelte abgerissen und der Müll entsorgt würde. Als es dann soweit war, packten die dazu aufgeforderten Jugendlichen zusammen. Sie liefen durcheinander, um ihre eigenen Jacken, Rucksäcke oder Decken wiederzufinden. Natürlich waren sie nicht begeistert Ort und Stelle verlassen zu müssen, wo sollte man denn sonst hin? Alle zu irgendwem nach Hause, in den Garten und dort die Nachbarn stören? In die Fußgängerzone und den dortigen Anwohnern den Schlaf zu nehmen? In eine für den Schüler- und Studentengeldbeutel zu teure Bar und die laue Frühlingsnacht von drinnen betrachten? Super Aussichten!
Die ersten zogen los in Richtung Ausgang Cranachstr./Günther-Weisenborn-Str., während eine handvoll Leute dort mitten im Park blieb, um Pfand und Müll zu sortieren, wegzutragen und sich erst dann den anderen anzuschließen. Überraschung: Die Jugendlichen mögen den Hermi und haben natürlich ein Anliegen daran, dass er sauber bleibt und weiterhin als netter Sommerabend-Aufenthaltsplatz dienen kann! Was bekommen Sie dafür: Geschrei von Polizisten, dass sie endlich verschwinden sollen. (Das ist nur hier nett wiedergegeben…)
Zur gleichen Zeit sah man weiter vorn jemanden auf dem Boden liegen, der schnell von mehreren Gestalten umringt war. Im Nachhinein nehme ich an, dass dieser Vorfall der Auslöser der Eskalation gewesen sein muss, dass er die bis dahin relativ entspannte Atmosphäre auf ein angespannteres Level hob. Ich kann mir nicht erklären, wie es dazu kam, aber der am Boden Liegende wurde einfach von Polizisten mit K.O.-Spray oder ähnlichem ruhig gestellt. Dennoch zog der lange Menschenzug weiter in Richtung Ausgang – ruhig und natürlich recht gemächlich, wie das der Fall bei großen Gruppen ist. Einem Polizisten ging das wohl nicht schnell genug, er meinte einen der Jugendlichen schubsen und zum schneller gehen antreiben zu müssen. Dieser Jugendliche regte sich selbstverständlich darüber auf und ließ eine ungehaltene Bemerkung los – mit der aber doch ein ausgebildeter Polizist friedlich hätte umgehen müssen. Ein anderer aus der Gruppe, der dachte, besagter Polizist würde seinem Kumpel nun zu nahe rücken, versuchte das ohne handgreiflich (!!!) zu werden zu stoppen und bekam ein blaues Auge und Tritte gegen die Schulter verpasst. Beim Spielplatz wurde ein Mädchen von zwei Polizistinnen unsanft in den Rasen gedrückt, woraufhin ihr Freund selbstverständlich besorgt, aber nicht aggressiv dorthin ging etwas sagte, was ich leider nicht hören konnte. In null-komma-nichts war der riesige Polizeihund auf ihm, der schon vorher – aber wenigstens noch mit Maulkorb – hinter der Gruppe, von seinem Führer weg gezerrt hatte. Er wurde in die Achsel gebissen und musste mit acht Stichen genäht werden. Ein bisschen weiter vorn hörte ich jemanden hysterisch schreien, woraufhin einige Mädchen dorthin liefen dicht gefolgt von Polizisten, die augenscheinlich ungeachtet Schläge austeilten, sodass einige weitere mit verdacht auf blaue Augen schleunigst den Park verließen. Bereits vor dem Park wartende Jugendliche, machten sich Sorgen, was den da drinnen los sei und waren in Tränen ausgebrochen.“
So oder ähnlich sehen die Abläufe des Abends aus Sicht der Jugendlichen aus. In den Zeitungen heißt es dagegen, es handele sich um wiederholte Randale der jungen Leute. Die Gruppe sei uneinsichtig gewesen, hätte zunächst diskutiert und daraufhin Widerstand gegen die polizeiliche Verordnung den Park zu verlassen geleistet. Bei dem Hundebiss wird von „leichter Verletzung“ gesprochen. Das Verhalten der Polizisten war wohl nur „konsequent“.
Liebe Leute, wo sind wir denn – in Guatemala? Mehrere verletzte Jugendliche, Anzeigen und Wut auf beiden Seiten…
Bei der ganzen Geschichte stellen sich einige Fragen: Der Polizei wurde zuvor vorgeworfen, dass sie nicht handeln würde, hat sie es deshalb vielleicht in besagter Osternacht ein bisschen übertrieben? Hat sie deshalb verständliches Murren und ihrer Meinung nach vielleicht zu langsames zusammen packen als Widerstand gegen die Anordnung angesehen? Mussten die Polizisten ihre Macht demonstrieren und derartig unhöflich und ungeduldig sein? Hätten sie als gut ausgebildete und vernünftige Menschen nicht die Situation meistern können ohne dass es dabei diverse Verletzte gab? Sollte Jugendlichen nicht ein Raum gegeben werden, sich zu treffen und die Sonne zu genießen? Kann man jungen Menschen nicht so viel Verantwortungsbewusstsein zusprechen, dass sie selbst für Ordnung sorgen?<
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Kategorien: Opéra Comique
Tags: herminghauspark, polizei, velbert

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