Der Traum von einer besseren Welt – FSJ im Ausland

Nach dem Schulabschluss machen sich jedes Jahr viele junge Leute auf in die weite Welt. Mit persönlichem Engagement wollen sie diese ein Stück weit verbessern. Mag man es Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Anderer Dienst im Ausland (ADiA), Sozialpraktikum oder sonst wie nennen, eines haben alle Dienste gemeinsam: Sie bieten jungen Menschen die Möglichkeit, etwas Neues kennen zu lernen und sich dabei sogar nützlich zu machen.

Seit nicht allzu langer Zeit gibt es sogar extra dafür ein staatlich gefördertes Programm: Weltwärts. Dabei handelt es sich um den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des BMZ. Langfristig sollen pro Jahr etwa 10.000 junge Freiwillige in Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entsendet werden. Die praktische Umsetzung erfolgt über die bestehenden Strukturen der deutschen Hilfsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv sind und bereits seit längerem junge Menschen ins Ausland entsenden. (z.B. die Weltweite Initiative für soziales Engagement e. V.)

Freiwillige soziale Arbeit für eine bessere Zukunft

Ein Traum – ein utopischer Traum: Die Welt soll bitteschön gerechter, menschlicher und herzlicher werden – und zwar schon Morgen! Was kann man tun? Was kann ICH, eine einzelne Person, tun? Ist ein sozialer Freiwilligendienst das Richtige?
Da fragen viele, wieso einen solchen Schritt wagen und nicht den normalen Weg vom Abitur zum Studium gehen. Weil es zur „Nachwuchsförderung“ dient, vor dem Studium noch einmal eine ganz andere Lebenswirklichkeit zu erleben. Die jungen Leute machen völlig neue und unerwartete Erfahrungen machen – gute und schlechte – und erweitern ihren Horizont. Es ist der Versuch sich gegenüber der weltweiten Armut nicht blind zu stellen, nicht einfach nur in Deutschland darüber zu klagen, sondern aktiv Lösungsansätze zu entwickeln und mit vielleicht relativ geringen Möglichkeiten den Menschen in einem sehr armen Land wie zum Beispiel Guatemala zu helfen, eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Guatemala

Guatemala hat eine lange Zeit des Leidens hinter sich: 30 Jahre Bürgerkrieg, gefolgt von Korruption, Rechtsunsicherheit, Armut und einem schwierigen Versöhnungsprozess. Hinzu kommt das Auftreten von marodierenden, kriminellen Jugendbanden, den sogenannten Maras. Besonders die Ureinwohner Guatemalas werden auch heute noch massiv diskriminiert. Von Chancengleichheit kann nicht die Rede sein. Der Analphabetenanteil von 31% wird fast vollständig von den Nachfahren der Mayavölker gestellt. Und warum? Weil diese Menschen sich nicht einmal die Schulgebühr von 8 bis 10 € pro Jahr leisten können, geschweige denn das Material, das in der Schule benötigt wird, wie Hefte, Stifte oder Radiergummis. Wir in Deutschland können uns das kaum vorstellen. Wir nehmen es gar nicht mehr als Luxus wahr, in die Schule gehen zu dürfen. Genau deshalb halte ich das Projekt „Pastoral de la ninez en desamparo“ (Hort für Hilfsbedürftige Kinder) in Cobán, Guatemala, für sehr wichtig. Dort arbeite ich nun seit fast 2 Monaten und wir versuchen, auch den Guatemalteken diesen ach so selbstverständlichen „Luxus“ zu geben. Denn Bildung ist der Schlüssel zu einer menschenwürdigeren Zukunft!

Pastoral de la ninez en desamparo

Pastoral Kinder in CobánDas Pastoral ist eine Institution, die zur Unterstützung der sozial schwächeren Bevölkerung – hauptsächlich indigener Herkunft – dient, damit diese durch Bildung einen besseren Lebensstandard erreichen können. Die „Visión“ besagt, dass die am wenigsten begünstigten Kinder und Jugendlichen der Region durch Bildung und Aufklärung ihrer Rechte und Verantwortung für eine bessere Zukunft ausgestattet werden. Jedes Kind, das im Pastoral eingeschrieben ist, ist verpflichtet, einmal die Woche ins Projekt zu kommen. Montags kommen die Erstklässler, dienstags die Zweitklässler, Mittwoch die Schüler der dritten und vierten Klassen, am Donnerstag kommen die Fünft- und Sechstklässler und die wenigen Schüler des Basicos, der weiterführenden Schule (beginnt ab 7. Klasse). Am Freitag bleibt Zeit für Kreativität. An diesem Tag dürfen alle Kinder kommen, die Lust haben etwas anders zu machen als Hausaufgaben, Lernen lernen oder auf Bildung ausgerichtete Aktivitäten. Freitags ist Zeit zum Basteln, Theaterspielen, Clownerieworkshops oder auch mal Fußballspielen zu gehen.

Ein ganz normaler Tag im Pastoral

Um 8:30 Uhr öffnen sich die Türen des Pastorals und die Kinder sollten eigentlich genau dann pünktlich eintreffen, was Guatemala-typisch oft nicht der Fall ist. Die Anwesenheit wird von einem von uns Freiwilligen überprüft, schließlich sollen wirklich nur diejenigen, die regelmäßig erscheinen, Materialien erhalten. Außerdem werden stets die Hefte kontrolliert. Die Kinder sollen es zu schätzen wissen, dass sie diese bekommen und lernen, entsprechend damit umzugehen. Bis 9:30 Uhr können die Kinder Hausaufgaben machen, sofern sie welche zu erledigen haben, und sich dazu unsere Hilfe oder die kleine Bücherei des Patorals zu nutze machen. Die Übrigen bekommen von uns Rechenaufgaben gestellt oder Schreib- /Leseübungen. Nach einem kleinen Auflockerungsspielchen beginnt die tatsächliche Nachhilfestunde, deren Schwerpunkt entweder Mathematik oder Sprache (also Spanisch) ist. Bevor es die lang ersehnte „Refaccion“ – kleine Zwischenmahlzeit gibt – werden noch verschiedene Spiele gemacht, die je nach Monat zu einem bestimmten Thema sind: Ausdruck, richtiges und effektives Lernen, Kreativität, Hygiene,…
Das gesamte Programm baut auf alternative Lehrmethoden, um in den Kindern Wissensdurst zu wecken und sie für Dinge zu begeistern, was in den Schule leider fehlt. Um das ganze ab zu runden gibt es zum Abschied einen Atol – ein dickflüssiges, nahrhaftes Getränk aus Mais – und ein Brötchen.

Und was bringt das?

Letztendlich kann ein junger Mensch wohl nicht sehr viel reißen, während seines Freiwilligendienstes. Direkt von der Schule kommend, ohne jegliche Ausbildung,… Aber dennoch dient so ein Einsatz mindestens zur Völkerverständigung. Menschen aus verschiedenen Kulturen lernen sich kennen, verbringen Zeit miteinander und werden hoffentlich toleranter. Und man weiß ja nie, vielleicht bewirkt man doch etwas.
Sollen die Leute ruhig sagen „Das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein!“, denn es ist doch so: „Steter Tropfen höhlt den Stein!“

Wenn 10 000 deutsche Freiwillige in den verschiedensten Ländern ein Jahr lang jeden Tag mit einer Gruppe minderbemittelter Kinder und Jungendlicher verbringt, deren siegreichen Lachen lauschen darf, wenn sie es endlich geschafft haben 11-7 zu rechnen, jeder kleine Scherz am Rande, säht doch ein bisschen Fröhlichkeit. Vielleicht setzten diese Freiwilligen tatsächlich den Samen für ein wachsendes, beeindruckendes Pflänzchen.

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